„Gute Fotografen gibt es viele. Ich wollte meine zwei Leidenschaften Fotografie und Malerei verbinden um daraus digitale Kunst zu schaffen.“  

Janet Efrati, Fine Art Photographer

Credit: Janet Efrati


Conceptuale Photography ist eine sehr besondere Art Personen in Szene zu setzen. Janet Efrati aus Korneuburg in Österreich hat sich dieser besonderen Kunst gewidmet und zaubert mit einer sehr interessanten Technologie bezaubernde Portraitbilder von ihren Kunden.

 

Janet, erkläre uns doch gerne kurz, wie diese Technik funktioniert.

Anders als bei herkömmlichen Shootings geht es hier um die Umsetzung einer Idee, einer Vision. Das heißt, vor dem Shooting gibt es ein kurzes Interview, wo ich mir die Vorstellungen und Ideen der Person anhöre und daraus ein Konzept für das Shooting erstelle. Beim Shooting selbst steht die Person vor einem grauen Hintergrund und die gesamte Szene wird nach dem Shooting am Computer geschaffen. Es werden Hintergründe und Requisiten digital hinzugefügt und danach bearbeite bzw. male ich per Hand auf einem Tablet, um aus dem Bild ein Kunstwerk zu gestalten. Gemeinsam mit der fotografierten Person wird also eine visuelle Story geschaffen.


Wie bist du darauf gekommen, daraus ein Business zu machen?

Ich bin immer auf der Suche nach „Abenteuer“. Ich liebe Innovation, Gadgets und das NEUE. So wollte ich etwas anbieten, das es hier in Österreich noch nicht gibt. Gute Fotografen gibt es viele. Ich wollte meine zwei Leidenschaften Fotografie und Malerei verbinden um daraus digitale Kunst zu schaffen. Ich bin eine Storytellerin, ich rede sehr gern (und viel) beschreibe, umschreibe, erzähle und am liebsten ist mir „herzeigen“. Ich finde das man mit conceptual art photography weit mehr über eine Person, seine Vorlieben, Charakter, Hobbies etc. zeigen kann als mit herkömmlichen Portraits.

Mir gefällt der Prozess, beginnend vom Interview, der mir den nötigen Einblick in die Persönlichkeit der Person erlaubt. Danach die gemeinsame Gestaltung, die Verwandlung bis hin zur Umsetzung. Es ist faszinierend was man aus einer Idee und einem Foto machen kann. Was mich jedes Mal aufs Neue begeistert ist, der Moment, wenn ich das fertige Werk den Leuten übergebe. Ihre Begeisterung zu sehen erfüllt mich mit Freude und bestätigt mir, dass mein Weg richtig ist.


Seit zwei Jahren bist du nun dabei, dein Business aufzuziehen. Was hat sich dabei als unerwartet schwierig herausgestellt? Wo sind heute noch deine Herausforderungen?

Es gibt mehrere Herausforderungen und kleine Steinchen am Weg. Die Größte davon ist wohl Zeit! Ich habe einen Full-Time Job, drei Kinder plus einen Hund. Ich muss stets jonglieren und renne der Zeit wortwörtlich nach. Zum Glück habe ich viel Energie, ein gutes Zeitmanagement und brauche wenig Schlaf. Ich denke das hilft. Die zweite Hürde ist finanzieller Art. Da ich seit zwei Jahren mein Portfolio aufbaue, habe ich keine bezahlten Shootings gemacht und somit hatte ich nur sehr große Ausgaben ohne jegliche Einnahmen. Die dritte Challenge ist Kunden zu gewinnen.


Du erzählst von sehr großen Investitionen in dein Business. Hast du Sponsoren an Bord oder alles aus eigener Tasche investiert?

Da mein „Produkt“, conceptual art photography, hier in Österreich unbekannt ist, dachte ich, dass Ausstellungen mir helfen würden es bekannter zu machen. So habe ich seit 2017 fünf Ausstellungen gehabt, was natürlich für einen Newcomer sehr schwer ist. Denn keine Galerie will jemanden ausstellen der zuvor nicht ausgestellt hat. Dank meiner Fighter-Natur, habe ich nicht lockergelassen. Ich fand eine kleine Galerie, die mir wegen einem Ausfall eines Künstlers schließlich zugesagt hat. Daraufhin habe ich die 70 Bilder, die ich bereits fertig hatte, auf Chromalux Metall drucken lassen. Die Prints und zusätzliches Equipment haben mich über 20.000 Euro gekostet. Das ist ein Vermögen für mich. All meine langjährigen Ersparnisse investierte ich in mein Projekt. Ich habe keine Sponsoren, und es ist auch schwer an solche zu kommen. Zum Glück erledige ich die ganze Arbeit selbst und muss nicht noch jemanden bezahlen. Für den Print verwende ich nur die beste Qualität, was hohe Kosten verursacht, jedoch ergibt dieser Print einen zusätzlichen „Wow Effekt“ für meine Arbeiten. Da kann ich keinen Kompromiss eingehen. Weiterhin habe ich mir einen Kredit aufgenommen und habe in Korneuburg direkt am Hauptplatz eine kleine Wohnung gekauft, das als Studio dient, wo ich die Kunden in gehobenem Ambiente empfangen kann.


Du beschreibst Österreich als einen sehr schwierigen Markt. Wie kommt das?

Österreich ist eher traditionell. Ein neues Produkt wird immer mit Skepsis angesehen. Da fällt mir noch ein passendes typisch österreichisches Sprichwort ein: „Wos der Bauer net kennt, frisst er net“. Auf Ausstellungen höre ich oft: „Deine Bilder sind sensationell, doch ich würde mir kein Bild von mir selbst zu Hause aufhängen“. Ich denke es hängt auch damit zusammen, dass man für sich selbst, oder für Kunst nicht viel Geld ausgeben will. In den USA und im Ausland hingegen, ist es schon eher gesehen, dass Leute von sich selbst Portraits aufhängen. Ich würde nicht sagen es wird in Österreich verpönt, jedoch ist es eine wesentlich kleinere Zielgruppe als im Ausland. Es ist eine Nische, für eher selbstbewusste Leute.


Credit: Janet Efrati

Du hast drei Kinder und bist verheiratet. Erzähle gerne, wie sich dein Privatleben mit deinem Business vereinbaren lässt.

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Das ist nicht leicht. Zum Glück sind zwei meiner Kinder schon erwachsen, 25 und 20 Jahre, leben jedoch beide mit uns. Meine jüngste ist allerdings erst 7. Ich habe bewusst die ersten fünf Jahre nach der Arbeit mit ihr verbraucht, sobald sie aus dem Kindergarten kam. Das wollte ich nicht missen. Shootings hatte ich damals nur am Wochenende und meistens war sie dabei. Mein Sohn hatte leider dieses Privileg nicht, denn ich war sehr jung, berufstätig, mitten im Studium und geschieden. Es war eine harte Zeit. Als meine jüngste dann 5 war und ich 45, wog ich fast 90kg und war am Punkt angekommen, wo ich mein Leben verändern wollte. Ob es nun die Mid-Life-Krise war, oder was auch immer, ich war unzufrieden. In mir reifte der Gedanke, dass ich mich verändern muss. Innerhalb von einem Jahr habe ich über 20kg abgenommen und begann an meinem Plan zu schmieden. Ich habe meinen Teil als Mutter und Ehefrau mit besten Gewissen über 20 Jahre geleistet. Nun war meine Zeit gekommen! Ich gestaltete mein Foto-Studio um und machte keine normalen Shootings mehr, sondern conceptual art photography. Ich teilte meiner Familie mit, dass ich daher auch weniger Zeit für sie haben würde. Ich war natürlich auch weiterhin immer für sie da, allerdings wurden sie zu Hause mehr in den Alltag involviert. Nach meinem 5 Minuten-Monolog, herrschte vorerst mal Totenstille. Sie sahen mich mit Panik und Verwirrung an, nur meine kleine Tochter sagte „Ich will dein Model sein“. Sie ist tatsächlich sehr viel in meinem Portfolio zu sehen. Ich muss sagen, mein Mann ist davon nicht so begeistert und muss ich ehrlich gestehen, ich weiss auch nicht ob die Ehe das wirklich aushalten wird. In den letzten zwei Jahren haben wir uns sehr voneinander entfernt. Trotzdem gehe ich meinen Weg weiter, weil es für mich der richtige ist. Seither bin ich glücklicher, voller Energie und Tatendrang, die Umsetzung meiner Ideen und Vision erfüllt mich als Künstlerin, und noch mehr als Frau.


Als Künstlerin hast du schon auf mehreren Ausstellungen deine Kunst zeigen können. Derzeit planst du sogar eine Ausstellung in New York. Wie schwierig ist es dort Fuß zu fassen bzw. die Leute für deine Kunst zu begeistern?

Eine Ausstellung in New York ist sicherlich ein Traum. Ich plante einen Familientrip und schrieb einfach die Galerien und schickte ihnen auch einen Link zu meinem Portfolio. Einige sagten mir ab, da sie für mehrere Jahre komplett ausgebucht waren, von zwei Galerien boten mir tatsächlich einen Interviewtermin während meinem New York-Aufenthalts an. New York ist natürlich eine „große Nummer“ und ich muss auch noch im Detail recherchieren, inwieweit das für mich als Künstlerin Sinn macht, oder ob es hier nur um einen persönlichen Traum geht. Nach einiger Vorarbeit und zeitlicher Investition muss ich jetzt in erster Linie businessorientiert denken. Alternativ könnte ich mir eine Ausstellung auch sehr gut in San Francisco vorstellen.


Erzähle gerne von dem Projekt, das du in naher Zukunft planst.

Ich arbeite gerade an dem Projekt „Lebenskünstler“. Hier handelt es sich um eine Portrait-Serie, wo Menschen beschreiben, warum sie sich als Lebenskünstler bezeichnen. Ich bin immer auf der Suche nach interessanten Persönlichkeiten, die viel Mimik und Ausdruck haben, die keine Scheu haben sich zu zeigen und in einem Bild ihre Story zu erzählen. Ich will in meinen Bildern den Charakter einer Person zeigen und den Betrachter dazu bringen sich das Bild genauer anzusehen, sich Gedanken dazu machen und die Botschaft in dem Bild ohne Worte zu verstehen. Die erste Serie habe ich mit einer Freundin gemacht, die Brustkrebs hat. In der Serie konzentrieren wir uns nicht auf das Leid oder den Menschen als Opfergestalt, sondern fokussieren uns auf die Kraft, die Energie und den Optimismus und Humor, der in der Person steckt.


www.janetefrati.com

Credit: Janet Efrati

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